Wie ist es eigentlich um die Liebe bestellt? -Ein Anfang-

Die Liebe zu beschreiben und zu erklären ist eine schwierige Sache.  Dabei gibt es viele Bilder und Worte, die dies versuchen. Tausende von Produkten werben mit der Liebe und etliche Filme und Bücher erzählen uns, wie echte Liebe geht. Wie sie aussieht, sich anfühlt, schmeckt, riecht oder besser duftet.

Es scheint die Welt voller Liebe zu geben, in der „Herzenswärme“ als Tee getrunken werden kann und ein bisschen Glitzer das nervige Leben sofort wieder gut macht. Und dann die Welt hinter dieser Welt, in der diese oberflächlichen Ideen von Liebe nicht greifen, weil eben nicht jede Ungerechtigkeit mit ein bisschen Glitzer wieder gut zu machen ist. Ungerechtigkeiten sind in den Strukturen der Gesellschaft angelegt und werden von der Illusion einer einfachen Liebe und einer Erlösung auf materieller Ebene getragen. Aber es gibt auch eine Liebe hinter dieser Welt. Es stimmt mit Sicherheit, dass die Liebe eine große und auch eine gestaltende Kraft hat, aber wie kann diese Kraft aktiviert werden? Und wo ist sie schon aktiv? Ausgangspunkt dieses Projektes ist es, diesen Fragen forschend nachzugehen und in den Dialog mit Menschen zu treten.

Wo ist die Liebe in Bochum anwesend? Und wie ist die Liebe zu Bochum anwesend? Oftmals beanspruchen Stimmen aus nationalistischen Reihen den Diskurs um die Liebe zu Orten für sich. Dieses Projekt will keinen Lokalpatriotismus fördern, sondern die liebevolle Gestaltung des Lebensraumes. Es fordert zu einer Auseinandersetzung auf. Es fragt danach, wie sich die Beteiligten ihrem Umfeld gegenüber positionieren und es gestalten.

Was lieben sie? Wie würden sie sich ihr Umfeld wünschen? Das soziale Miteinander? Ihre Straße? Was sind die Dinge die sie als besondere Schönheiten in Bochum entdeckt haben?

Dieses Projekt will eine Bestandsaufnahme machen und die (unvollständigen) Ergebnisse in einer Kunstaktion reflektieren.  Die Beteiligten, die ihre Informationen zur Verfügung gestellt haben, können sehen, was damit gemacht wurde. Wie das Format dieser Kunstaktion genau aussieht ergibt sich aus dem Prozess der Arbeit. Sicher ist, dass die Beteiligten nicht nur mit ihren eigenen Antworten, sondern auch denen von anderen in Kontakt kommen werden. Was für Unterschiede gibt es? Was für Gemeinsamkeiten?

Das Projekt versteht sich als Teil einer Forschung danach, wie künstlerische Prozesse gesellschaftliche Prozesse reflektieren , unterstützen und mitgestalten können und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Vollkommenheit.

Gäbe es immer nur eine Wahrheit, könnte man von einem Thema keine hundert Bilder malen.

Pablo Picasso